© Astrid Burmeister

Gedenktag der Entschlafenen

Sat, 21 Nov 2020 12:13:18 +0000 von Christiane Schuster-Scholz

Herzliche Grüße zum letzten Sonntag des Kirchenjahres, an dem wir den „Gedenktag der Entschlafenen“ begehen,
am 22.11.2020 aus St. Jürgen!
 
Wir feiern an diesem Sonntag um 9.00 Uhr Gottesdienst in der Kapelle in Akelsbarg und um 10.00 Uhr Gottesdienst in Holtrop in der St. Jürgen-Kirche und zur gleichen Zeit live übertragen in der Friedhofskapelle. Am Ende des Kirchenjahres gedenken derer, die in diesem Kirchenjahr gestorben sind, nehmen sie hinein in unser Gebet und zünden für sie ein Licht an. Am Ausgang wartet eine Rose darauf, auf jedes Grab dieses Kirchenjahres getragen zu werden als Zeichen der Liebe, die bleibt. Damit alle Angehörigen der Verstorbenen Platz haben, feiern wir mit Voranmeldung. Dafür nehmen Sie diesen Mitnehm-Gottesdienst beim Bäcker, im Eierhuske oder an der Kirchentür mit und feiern Sie in Verbundenheit von zuhause mit uns mit.
 
Am „Gedenktag der Entschlafenen“ oder „Totensonntag“ steht das Gedenken an die Verstorbenen im Mittelpunkt. Weder die Verheißung noch der Glaube an das ewige Leben können unseren natürlichen Tod verhindern. Jeder Tod eines Menschen bringt Tod und Schmerz mit sich, manchmal auch Verunsicherung und Angst. Es gibt eine Zeit zu trauern, sie ist notwendig und gut. Und es wird eine Zeit kommen, in der Trauer und Klage beendet sein werden. Die Texte dieses Sonntags sprechen in Bildern davon, was tragen und Trost geben kann, wenn wir in Liebe der Verstorbenen gedenken. Der Wochenspruch trägt dem Rechnung: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“Ps 90,12 
In der Kraft dieser Liebe, die Gott uns schenkt und die uns trägt, feiern wir im Namen Gottes, aus dessen Hand wir alles Leben nehmen können und in dessen Hand wir alles Leben getrost zurücklegen können; im Namen Jesu Christi, der uns gezeigt hat, wie Liebe und Barmherzigkeit auf dieser Welt Gestalt annehmen können, und im Namen des Heiligen Geistes, der uns tröstet und Kraft.
 
Einladung zum Gebet: 
Gott – der Tod eines geliebten Menschen stößt uns aus der Welt in die Fremde.
Als wenn unser Lebenshaus plötzlich nicht mehr bewohnt ist. 
So begehen wir diesen Tag der Erinnerungen. Wir suchen danach, wieder Wohnung zu finden bei Menschen und bei dir und bei uns selbst. 
Leite du uns durch diese Zeit des Schmerzes und der Erinnerungsbilder.
Sprich uns an mit deiner Verheißung, dass ein neues Licht kommt für die, die weiter leben und die, die gehen mussten. (nach Christine Behler)
Das neue Jerusalem (Offb. 21,1-7)
„Dann sah ich einen ganz neuen Himmel und eine völlig neuartige Erde. Der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, auch das Meer gab es nicht mehr. 2 Ich sah, wie die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkam. Sie war schön, wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat. 3 Und vom Thron her hörte ich eine laute Stimme rufen: „Jetzt ist Gottes Wohnung unter den Menschen. Unter ihnen wird er wohnen und sie werden alle sein Volk sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. 4 Jede Träne wird er von ihren Augen wischen. Es wird keinen Tod mehr geben und auch keine Traurigkeit, keine Klage, keinen Schmerz. Was früher war, ist für immer vorbei.“ 
Der Seher auf der Insel Patmos hat einen Traum: Er weiß: In Christi Kommen und Wirken hat die Herrschaft Gottes schon begonnen – hier und jetzt. Christus wirkt und regiert schon jetzt unter uns. Das verleiht denen, die sich zu ihm halten, eine Hoffnung und eine Auszeichnung: Sie tragen unsichtbar das „Siegel“ als Kennzeichen. Entgegen dem unheilvollen Wirken der römischen Besatzungsmacht, in deren Kontext der Seher Johannes schreibt, wird mit der Widerkunft Christi sich alles ändern.  ER hat die Macht zu richten und aufzurichten. Am Ende wird alles Leid, alle Zwangsherrschaft und Ungerechtigkeit ausgespielt haben. Gott wird bei seinen Menschen wohnen. Und die Menschen werden geschwisterlich in gegenseitiger Liebe und Achtung miteinander und mit ihm leben. Was für ein Hoffnungsbild. Es hat Maler in Ostfriesland inspiriert. In einigen Kirchen findet sich ein ähnliches Fresko, wie das, das wohl im 14. Jahrhundert seinen Weg an die dem damaligen Eingang gegenüberliegende Wand gefunden hat: Jesus auf der Wolke und dem Regenbogen richtet und spricht gerecht. Für die Reichen und Fürsten auf der einen Seite und die frommen Frauen auf der anderen Seite beten Maria und Johannes. Die Botschaft: Christus wird herrschen und richten. Seine schon jetzt angebrochene Herrschaft wird sich durchsetzen. Dann wird das Leben sein wie im Traum: Ein wunderschönes Jerusalem, geschmückt wie eine Braut, die sich auf ihren Bräutigam freut, wird Wohnraum bieten für alle. Dafür lohnt es sich zu hoffen, zu beten  und daraufhin zu leben in den vielen kleinen Begegnungen und Schritten, die wir in unserem Alltag gehen. Das sagt dieses Bild in der Kirche. Und wir? Wir hören das Wort vom Trost und Abwischen der Tränen.Tränen: Gott sieht jede einzelne. Wir gehen oft anders damit um: Wir schämen uns für sie. 
Wir haben gelernt, sie zu verstecken oder wegzudrücken. Stattdessen nehmen wir lieber in die Hand, was uns freut und uns an schöne Momente und uns lieb gewordene Menschen erinnert. Ich bin sicher: Gott freut sich mit uns an diesen schönen Erinnerungen.  Aber seine Liebe ist so groß, dass er nicht nur unsere Sonnenseiten mag.  Er sagt nicht: „Hör auf zu weinen!“ Er fordert nicht: „Reiß dich zusammen!“ Er ist ganz besonders aufmerksam, wenn wir weinen. Er bemerkt, was uns bedrückt und Sorgen macht und wovor wir uns fürchten. Unsere Tränen sind ihm nicht lästig. Sie gehören zu uns und unserem Leben dazu wie unser Lachen und unsere Lebensfreude, wie  unsere Gedanken und Träume und wie unsere Sehnsucht nach Gott. Denn die Tränen erzählen auch von unseren Wünschen und Enttäuschungen; von unserer Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit; von unserer Wut über Unrecht und Gewalt; von unserer Suche nach Gott. In unseren Tränen steckt ein wesentlicher Teil unseres Lebens, ein Teil unseres Wesens. Das ist der verletzlichste Teil und zugleich der sehnsüchtigste. Unsere Tränen erzählen die Geschichte unseres Lebens, die sonst niemand so gern anschaut. Nur Gott, der schaut auch diese Geschichte an: Die Tränen erzählen von dem Kind, das wir einmal waren; das sich Liebe wünschte; das so viel lernen musste und neugierig auf das Leben war. Die Tränen erzählen von der Mühe und vielleicht auch von der Ausgeschlossenheit des Kindes in der Schule; von der Angst, nicht mitzukommen mit den anderen. Die Tränen erzählen von der ersten großen Liebe, die sich nicht erfüllte oder in die Brüche ging. Die Tränen erzählen von enttäuschten Erwartungen; von schmerzenden Verlusten; von Schuld, die wir auf uns luden; von Streit und Verletzungen. Und die Tränen erzählen, was wir alles daraus gelernt haben, wie wir uns daran entwickelten; und auch, wie wir immer wieder den Glauben neu suchten, vielleicht verloren und wiederfanden. Gott kennt jede einzelne unserer Tränen. Keine ist verloren. Die Tränen des Schmerzes und der Enttäuschung, Tränen der Wut und Tränen der Sehnsucht nach Geborgenheit. Bei ihm ist alles aufgehoben. Wir sind ihm so wichtig und so lieb, dass für ihn all das wichtig ist. Wir sind nicht allein gelassen. Wir sind wertgeschätzt von Gott. Seine Liebe umschließt uns ganz: Unser Lachen und Weinen, unsere junge Lebensfreude und unsere erschöpfte Lebens-Müdigkeit. Alles ist umschlossen von Gottes Liebe und Achtsamkeit. Heute, morgen und bis in Ewigkeit. 
Bleiben Sie behütet, Ihre Pastorin Christiane Schuster-Scholz
Wochenlied EG 526 Jesus, meine Zuversicht
1. Jesus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben.
Dieses weiß ich; sollt ich nicht darum mich zufrieden geben,
was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht?
 
2. Jesus, er mein Heiland, lebt;ich werd auch das Leben schauen,
sein, wo mein Erlöser schwebt; warum sollte mir denn grauen?
Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht?
 
3. Ich bin durch der Hoffnung Bandzu genau mit ihm verbunden,
meine starke Glaubenshand wird in ihn gelegt befunden,
dass mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann.
 
6. Was hier kranket, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen; irdisch werd ich ausgesät, himmlisch werd ich auferstehen. Alle Schwachheit, Angst und Pein wird von mir genommen sein.
 
7. Seid getrost und hocherfreut, Jesus trägt euch, seine Glieder.
Gebt nicht statt der Traurigkeit: Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, wenn die letzt Posaun erklingt,
die auch durch die Gräber dringt.
 
EG 533 Du kannst nicht tiefer fallen
1. Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.
 
2. Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade trotz aller unsrer Not.
 
3. Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.
 
 
Übrigens: Gottesdienst mitfeiern: So,10.00 Uhr: Radio Ostfriesland UKW 94,0 oder live in St. Jürgen
Quelle: Manfred Süssen
Wiederkunft Christi - Wandfresko in der St. Jürgen-Kirche