© Astrid Burmeister

Herzliche Grüße zum Sonntag Palmarum

Sun, 10 Apr 2022 11:06:23 +0000 von Christiane Schuster-Scholz

Herzliche Grüße am 10. April 2022 aus St. Jürgen!
Am Freitag um 19.00 Uhr hat uns die Passions- und Friedensandacht begleitet. Mit waren wir in Gedanken bei Johannes, Jakobus und Petrus im Garten Gethsemane. Der Sonntag trägt den Namen: „Palmarum“ und erinnert an den umjubelten Einzug Jesu auf dem Eselsfohlen in Jerusalem. Jesus setzt deutliche Zeichen, dass sein Reich ein Reich des Friedens ist und nicht die gewaltsame Durchsetzung von Machtansprüchen mit sich bringen wird. Sein Weg ist ein ganz anderer: Er führt nicht vorbei sondern direkt hinein in das Kreuzesleiden. Menschen erleben gerade dadurch Jesu heilsschaffende Wirkung und seine lebensorientierende Kraft. In unserer Erfahrung scheinen Leiden und Lebenskraft einander zu widersprechen. Jesus aber überwindet alle Gottverlassenheit im Leiden und schenkt neue Lebenskraft und neuen Lebensmut.
Der Wochenspruch bringt die widersprüchlichen Pole in einen Zusammenhang: „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf das alle, die an ihn Glauben, das ewige Leben haben. (Joh. 3,14)“
Wir halten inne, wir schöpfen Mut, wir fassen Vertrauen
im Namen Gottes, der die Welt in´s Leben rief und auch uns, 
im Namen des Sohnes, der uns die Liebe Gottes zeigt, und im 
Namen der Heiligen Geistkraft, die uns ermutigt, stärkt und begleitet.  
 
Einladung zum Gebet: 
Umjubelt, und dann fallengelassen.
Stürmisch gefeiert –  und dann verstoßen.
Jesus, mit Dir gehen wir 
in deinen Leidenswoche und deine Sterbenszeit.
Eine Woche, in der wir entfernt spüren,
wie weit deine Liebe geht. 
Immer noch schwer zu begreifen-
und unser Dank ist ein schwacher Abglanz.
Danke, Gott! Amen 
(nach Fritz Baltruweit)
 
Jesus betet für die Seinen (Johannes 17,1-8)

 17,1Nachdem Jesus das gesagt hatte, blickte er zum Himmel auf und betete: „Vater, die Stunde ist gekommen, offenbare die Herrlichkeit deines Sohnes, damit auch der Sohn deine Herrlichkeit offenbar machen kann. 2 Du hast ihm die Macht über alle Menschen anvertraut, damit er denen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. 3 Das ewige Leben bedeutet ja, dich zu erkennen, den einzigen wahren Gott, und den, den du gesandt hast, Jesus Christus. 4 Ich habe deine Herrlichkeit hier auf der Erde sichtbar gemacht. Ich habe das Werk vollendet, das du mir aufgetragen hast. 5 Vater, gib mir erneut die Herrlichkeit, die ich schon vor Erschaffung der Welt bei dir hatte. 6 Ich habe dich den Menschen bekannt gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten schon immer dir und du hast sie mir gegeben. Sie haben sich nach deinem Wort gerichtet. 7 Sie wissen jetzt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 8 Denn ich habe ihnen das weitergegeben, was du mir gesagt hast. Und sie haben es angenommen und erkannt, dass ich wirklich von dir gekommen bin. Sie glauben auch daran, dass du mich gesandt hast. 
 
 Johannes schreibt, wie Jesus betet. In diesem Gebet begegnet uns die Deutung dessen, was Jesus in Jerusalem durchleben, durchleiden und für die Seinen und auch uns überwinden wird. Der schwere Weg liegt vor ihm. Wir haben ihn vor Augen. Der Weg wird ihn ans Kreuz führen und durchs Kreuz ins Leben.
 
Das Kreuz erzählt eine Geschichte. Eigentlich ist das Kreuz ein schreckliches Symbol. Es ist ein Marterwerkzeug mit dem Menschen brutal hingerichtet werden. Und es ist ein Zeichen, das für Menschen jüdischen Glaubens mit dem „Fluch-Tod“ verbunden ist, als Strafe für todeswürdige Verbrechen (Dtn. 21,23). Brutale Mörder werden so hingerichtet und – in römischer Zeit – Menschen, die das friedliche Zusammenleben gefährden. Also erzählt das Kreuz eine traurige Geschichte. Es erzählt, wie Jesus aus Angst umgebracht wird. 
Die Mächtigen haben Angst, Macht und Einfluss zu verlieren.
Vielfach entsteht Gewalt durch Angst. Es ist eine traurige Geschichte: Der, der Gott so nahe war, und den Menschen Gott so nah gebracht hat, wird brutal umgebracht.  
Menschen, die durch Jesus Heilung erfahren haben, mit Jesus ein neues Leben begonnen haben, sind verzweifelt. Alle Hoffnung scheint vergeblich, alles Erträumte verloren. 
Doch dann wird das Kreuz zum Zeichen für einen neuen Anfang. 
In der Gemeinschaft der Jünger erscheint Jesus und spricht zu ihnen. 
Mehr noch: Sie verstehen, dass Jesus ihnen nicht nur einen neuen Lebensweg eröffnet hat. Durch sein Leiden und Sterben hat er sich selbst stärker als der Tod erwiesen. Das Zeichen des Kreuzes wird zum Siegeszeichen. Menschen versammeln sich unter dem Kreuz. Sie wissen sich im Glauben verbunden. Sie überwinden ihre Angst, denn sie denken: Wenn Jesus dem Tod die Macht genommen hat, wovor müssen wir uns dann noch fürchten? In aller Kraft, aber auch in aller Schwäche, im Schönen und auch im Leiden wissen sie Jesus an ihrer Seite. Und wenn ihre Hände ganz kraftlos geworden sind, geben sie sich voller Vertrauen und Zuversicht in Gottes Hand.
Das Zeichen des Kreuzes wird zu einem Zeichen des Trostes und des Lebens. Wir können auf das Kreuz sehen und wissen: Jesus ist immer an unserer Seite. Er wird uns auch im Letzten seine Hand reichen und wir dürfen wissen, dass wir geborgen bleiben in Gottes Hand. 
Wir können das Kreuz in die Hand nehmen und spüren, wie es uns Halt gibt. Und wir können das Zeichen des Kreuzes von Stirn zu Brust, von einer zur anderen Schulter machen und beten: Mit Herz und Verstand, mit allem, was wir tragen und allen, mit denen wir verbunden sind, vertrauen wir uns dir, Gott, an. Wir stellen uns damit unter Gottes Schutz und wir wissen: Niemals bin ich ganz verlassen.
Eine segensreiche Karwoche wünscht Ihnen
 Ihre Pastorin Christiane Schuster-Scholz  


Mitmach- Psalm  69  (in einfacher Sprache)

Gott, meine Klage bringe ich vor dich.
 Auf deine Hilfe hoffe ich.
Gott, hilf mir! Denn das Wasser steht mir bis zum Hals.
          Ich versinke in tiefem Schlamm. 
         Ich spüre keinen festen Boden unter den Füßen
Ich bin in tiefe Wasser geraten. Die Flut will mich ersäufen. 
          Ich habe mich müde geschrien. Mein Hals ist heiser.
          Meine Augen sind trübe geworden,
          weil ich so lange auf Gottes Hilfe warten muss.              
Denn wegen dir werde ich ausgelacht. 
Ich schäme mich für meine Schande.
          Meinen Geschwistern bin ich fremd geworden. 
         Die Kinder meiner Mutter wollen nichts mehr 
          von mir wissen.
Der Eifer für dein Haus, Gott, hat mich zerfressen 
und das, was sie mir vorwerfen, fällt wie ein Schatten auf mein Leben. 
          Ich aber, Gott, bete zu dir zur Zeit der Gnade. 
Gott, nach deiner großen Güte hör mein Rufen und hilf mir!
Ich warte, ob nicht jemand Mitleid hat. Aber da ist keiner. 
          Ich warte, dass mich einer tröstet.
          Aber es kommt niemand. 
 Sie geben mir Galle zu essen und 
Essig zu trinken gegen meinen Durst!
Ich bin elend und voller Schmerzen.
          Gott, deine Hilfe schütze mich!
Gott, meine Klage bringe ich vor dich.
 Auf deine Hilfe hoffe ich.
Quelle: Andreas Wiltfang
Kreuzigungsgruppe in der St. Jürgen-Kirche