© Astrid Burmeister

Juni-Gruß

Tue, 21 Jun 2022 10:57:17 +0000 von Christiane Schuster-Scholz

Herzliche Grüße aus St. Jürgen 
 
Endlich ist der Sommer da, wie herrlich! 
Die Losung für den Sommermonat Juni steht 
im „Hohelied Salomos“. Dort heißt es: Hld. 8,6 
„Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz,
wie ein Siegel auf deinen Arm. 
Denn Liebe ist stark wie der Tod.“
 
Dieses Bibelwort stammt aus der Sammlung von Liebensliedern (vgl. Ps 45). 
Der Sommer weckt mir die Sinne: 
Ich schmecke die Süße der Erdbeeren.  Himbeeren schmelzen mir auf der Zunge.  Holunderblüten liegen verstreut wie Sternchen auf dem Gartenweg. 
Der Duft der Rosen steigt mir in die Nase. Ich spüre die Wärme der Sonnenstrahlen auf meiner Haut.  Ich beobachte die Wolkenfiguren am blauen Himmel und lasse meine Gedanken ziehen. Wie ein heimliches Zulächeln scheint mir das Spiel des Lichtes in den frischen grünen Blättern des Haselnuss-Strauches. Mein Herz geht mir auf bei der bunten Farbenpracht der Blüten im Garten. 
Es ist, als ob Gott selbst mir zart und liebevoll über die Wange streicht, mir unters Kinn fährt und meinen Blick aufrichtet: 
Sieh mal – kannst du es spüren? Licht und hell ist der Tag. Der Morgengesang der Vögel weckt dich aus dem Schlaf. 
Du bist umgeben von der Liebe deines Schöpfers. 
 
Gott hält sich nicht fern. Gott geht in Beziehung. 
Glaube ist Beziehungsarbeit. Jedes Leben hat auch eine Beziehungsseite. 
Wir gehen den Aufgaben unseres Alltags nach und zugleich begegnen wir einander. Ich höre die Stimme, die mir morgentlich ein freundliches „Moin“ herüberruft. Ein Lächeln wirkt ansteckend. Eine Hand bearbeitet weiter, nimmt oder nutzt, was eine andere Hand vorbereitet hat. Ein Händedruck zeigt mir Wertschätzung. Eine Umarmung vermittelt Geborgenheit und Nähe. Mittags erzählen die Kinder munter aus der Schule. Gottes liebevoller Blick geleitet mich durch den Tag. Am Abend hülle ich mich in den Widerhall seiner Stimme wie in eine warme Decke ein. 
Doch auch ein anderer Ton schwingt im Hohelied mit: Wenn eine Beziehung abbricht, dann kann das Seelenschmerzen bereiten und wehtun. So vieles können wir einander nicht mehr sagen. So viel Zuwendung können wir einander nicht mehr geben. Früher war der Rat: „Du musst lernen, loszulassen“. Der Pastorensohn Hermann Hesse beendet darum sein berühmtes Gedicht (Lebens-) Stufen: „…Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“ und warnt vor einem „Erstarren in Gewohntem“. 
Roland Kachler, selbst Pastor und Seelsorger, schreibt hingegen: „Meine Liebe wird dich finden“. Er versteht Trauer als Fortsetzung gelebter Liebe. 
Trauerarbeit besteht in seinen Augen darin, den Schmerz des Verlustes zu überwinden und Zugang zu dem reichen Schatz an gemeinsamen Erlebnissen zu finden. Sie prägen unser Leben und begleiten uns auf unserem Lebensweg. Darum gibt es ein Fingerritual, das in der Trauerarbeit helfen kann: Nacheinander wird jeder Finger einer Hand mit dem Daumen zusammengeführt. Mit dem Druck von Daumen und Fingerspitze wird eine Erinnerung verknüpft. Daumen und Zeigefinger werden mit einer Erinnerung an einen besonderen Moment am Beginn des Zusammenseins verbunden: Was habe ich da gespürt? Was habe ich gesehen? Was habe ich gehört? Was war mir in der Nase? Wie fühlte sich dieser Moment auf der Haut an? Ganz bewusst, wird dieser Moment noch einmal durchspürt und fest mit dem Druck von Daumen und Zeigefinger verbunden.  Daumen und Mittelfinger wecken eine Szene, in der ich mit dem geliebten Menschen gemeinsam etwas unternommen oder bewältigt habe. 
Daumen und Ringfinger stehen für ein Erlebnis, in dem ich ganz nahe mit dem geliebten Menschen zusammen war.  Daumen und Kleiner Finger schließlich erinnern an eine gemeinsame fröhliche oder heitere Situation. Das Finden der Erinnerung und das Üben des Rituals kann anfangs eine Zumutung sein. Ziel ist, mit dem Fingerdruck, die schönen, verbindenden Erlebnisse in uns wachzurufen und daraus Wärme und Kraft zu schöpfen. So weicht allmählich der Schmerz und gibt der Wärme der Erinnerung Raum. Es braucht Zeit, dies zu entwickeln und zu üben. 
Daher empfiehlt es sich, zunächst mit einem „Finger“ anzufangen. 
Es gilt, jeweils eine Erinnerung zu suchen und zu durchspüren und mit dem Fingerdruck zu verbinden. 
Im Juni-Vers ist von einem Siegel die Rede. Ein Siegel ist die Gewähr des Bleibenden. Das gilt auch für die Liebe. Liebe, die uns getragen hat und trägt, begleitet uns weiter. Sie ist eine starke Kraft. 
Gottes Liebe zu uns bleibt und trägt uns zu jeder Zeit. 
 
Mitmach-Psalm EG 16
 
Gott, du zeigst mir den Weg zum Leben
Gott, du zeigst mir den Weg zum Leben
 Deine Nähe erfüllt mich mit Freude.
             Aus deiner Hand strömt Leben. Du bist mein Gott.
Gott, du zeigst mir den Weg zum Leben
Mein Glück finde ich in dir.
 Was ich brauche, du teilst es mir zu.
             Du hältst mein Leben in deiner Hand. Du schützt mich.

Gott, du zeigst mir den Weg zum Leben
Ich danke dir, Gott, dass du mir meinen Weg zeigst.
 Auch nachts erinnere ich mich an deine Worte.
             Gott ist mir nahe, das ist mir deutlich vor Augen.

Gott, du zeigst mir den Weg zum Leben
Du, Gott, stehst mir zur Seite, darum fühle ich mich sicher.
             Ich weiß mich geschützt und geborgen.
             Darüber freue ich mich und bin dankbar
Gott, du zeigst mir den Weg zum Leben
Quelle: Christoph Grundmann
Festaltar in St. Jürgen